- Nürnberger Zeitung
„Versicherte sind aufgeklärter geworden“

12. Juli 2019

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Steigende Lebenserwartung, medizinischer Fortschritt, neue Gesetze: Vor welche Herausforderungen die Gesellschaft die Krankenkassen stellt, erzählte Christine Brummer, Bereichsleiterin bei der AOK Bayern, der NZ.

NZ: Die familiären Strukturen verändern sich. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Christine Brummer: Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass die Töchter zu Hause sind und sich um den alten Menschen kümmern. Bei Erkrankungen in der Familie gibt es dafür Leistungen wie Kinderkrankengeld oder Haushaltshilfe. Im Pflegebereich wird es jedoch am deutlichsten. Die Anzahl der Pflegebedürftigen ist in den letzten zehn Jahren bei uns um 34 Prozent gestiegen. Nicht allein wegen der immer älter werdenden Bevölkerung, sondern auch aufgrund neuer Gesetze. So gibt es zum Beispiel jetzt mehr Leistungen für Demenzkranke.

NZ: Wo liegen die größten Herausforderungen für die Krankenkassen? Brummer: Der demografische Wandel ist tatsächlich eine Herausforderung für alle Sozialsysteme. Bei den Kranken- und Pflegekassen kommt noch hinzu, dass man die Krankheitsentwicklung im Alter nicht so leicht berechnen kann. Außerdem: Der Markt der Gesundheit entwickelt sich stark, mit der Digitalisierung und dem medizinischen Fortschritt. Das ist toll, kostet aber auch Geld.

NZ: Kann man das durch höhere Beiträge finanzieren?

Brummer: Bei den Beitragserhöhungen sind wir zurückhaltend, weil das keiner gerne mag. Ein Wirtschaftsprüfungsinstitut hat kürzlich eine Befragung zur Pflege gemacht. 66 Prozent haben gesagt, dass sie für eine bessere Pflege mehr Geld in die Pflegeversicherung bezahlen würden. Sie sagten aber auch, dass es Grenzen hätte. Ein Großteil der Menschen hat auch gesagt, dass es nicht mehr als zehn Euro im Monat kosten sollte. Ein Drittel meinte, dass sie nicht mehr zahlen würden. Es kommt auch auf die niedrigen Einkommensschichten an, für die der jetzige Beitrag schon sehr hoch ist. Und das ist tatsächlich dieser Spagat: Was ist zumutbar und wo sind die Grenzen.

NZ: Merken Sie, dass die Versicherten anders sind als früher?

Brummer: Sie sind aufgeklärter geworden. Das ist auch eine Sache des Internets, dass man da auch Wissen leichter generieren kann und das merken wir auch. Da müssen wir, genauso wie andere Berufsarten, uns entsprechend vorbereiten. Unser Anspruch bei den Mitarbeitern ist, immer gut qualifiziert zu sein, dass man auch die Fragen gut beantworten kann.

Fragen: Keven He, SalehAntonio Spahija

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