- Nürnberger Zeitung
Mehr Vertrauen und etwas mehr Geduld

10. Juli 2019

Lea PfeifferKira GodoyLea Pfeifer arbeitet in einer Notaufnahme eines Nürnberger Krankenhauses als Kinderkrankenschwester. Kira Godoy Alvarez ist angehende Krankenpflegerin und Diakonin, dazu studiert sie noch Pflegewissenschaften. Der Generationenvertrag ist für die beiden jungen Frauen beruflicher Alltag. Im Protokoll erzählen sie, wie sie diesen erleben.

Lea Pfeifer (21): Mir war schon immer klar, dass ich etwas mit Menschen machen will. Deshalb habe ich mich für den Beruf einer Kinderkrankenschwester entschieden. Wir nehmen immer wieder Belastendes mit nach Hause. Man versucht zwar, es mit dem Tauschen der Dienstkleidung den Beruf auch im Schrank zu lassen, aber das klappt nicht immer. Im Krankenhaus gibt es aber nicht nur Leid und Elend, sondern auch Freude und Glück zu erleben. Gesellschaftlich erfährt mein Beruf viel Anerkennung.


Menschen, die gerade medizinische Hilfe brauchen, reagieren manchmal auch anders. Es hat was mit der Selbstverständlichkeit zu tun, mit der manche Menschen den Luxus der medizinischen Versorgung rund um die Uhr sehen. Viele sagen, das ist wie im Supermarkt einkaufen zu gehen, und wenn man nicht gleich drankommt, ist es wie wenn im Supermarkt keiner an der Kasse sitzt. Hinzu kommt: Wenn man mit seinem Kind in die Notaufnahme muss, ist das immer eine Ausnahmesituation. Damit lässt sich so manche Unfreundlichkeit erklären. Ich würde mir wünschen, dass die Eltern in diesem Moment mehr auf unsere Einschätzung vertrauen und sich von uns beruhigen lassen, wenn sie etwa länger warten müssen. Manche Eltern sind auch sehr verunsichert, weil sie alleine sind und wenig familiären Rückhalt haben. Sie kommen mit ganz vielen Fragen zu uns, bei denen ich erst woanders Rücksprache halten würde als im Krankenhaus.
Protokoll: Sina Bittl, Anastasija Vujasinovic, Antonia Rost

Kira Godoy Alvarez (28): Wer wie ich in der Pflege tätig sein will, sollte Lust haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Man sollte sich auch bewusst sein, dass man auch manchmal in schwierige Situationen kommen kann. Ich sollte zu Beginn meiner Ausbildung einen Kollegen dabei unterstützen, einem Patienten eine Magensonde zu legen. Meine Aufgabe war, die Hände des Patienten zu halten und ihn zu beruhigen. Gleichzeitig sollte ich aufpassen, dass er sich nicht durch eine ruckartige Bewegung verletzt. Der Patient war nicht orientiert und konnte nicht verstehen, dass dies nötig war. Er hatte Angst und es war schwierig für mich, da ich noch sehr unvorbereitet auf solche Situationen war. Am Ende ist alles gutgegangen, dem Patienten ging es schnell wieder besser. Es gibt aber auch schöne Momente. Etwa, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit etwas bringt, dass es dem Patienten wieder bessergeht. Es freut einen, wenn man die Sätze hört, wie „Danke, dass du für mich da warst“. Wer im pflegenden Beruf arbeitet, muss zudem in drei Schichten und am Wochenende arbeiten. Dafür hat man auch mal unter der Woche frei und muss sich keinen Urlaubstag nehmen. Alles hat immer seine Vor- und Nachteile. Ob in der Familie oder insgesamt in der Gesellschaft, der Generationenvertrag ist wichtig. Manch einer denkt sich: „Was soll ich jetzt mit den Älteren?“ Oder auch: „Was soll ich mit den Jüngeren?“ Wir sollen einfach aufeinander neugierig und in Kontakt bleiben.

Protokoll: Melisa Corlade, Emily Janz, Vanessa Spiga, Julia Vu

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