- Nürnberger Zeitung
Kommunen brauchen stärkere Unterstützung

14. Juli 2019

johannes bischofWer kümmert sich um die jüngsten und die ältesten Mitglieder der Gesellschaft? Damit der Generationenvertrag bestehen bleibt, braucht es neue Ansätze. Über die möglichen Lösungen dazu sprach die NZ mit Johannes Bischof, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, die sich für die Belange der Berufsgruppe einsetzt.

NZ: Herr Bischof, Ihre Vereinigung vertritt Menschen in pflegenden erufen. Werden sie bald durch Roboter ersetzbar sein?

Johannes Bischof: Menschliche Zuwendung spielt eine große Rolle. Es gibt sinnvolle Assistenzsysteme, etwa der Hausnotruf. Aber das Wesen der Pflege ist immer noch eine zutiefst menschliche Aufgabe. Die Vorstellung, dass ein Roboter einen Menschen pflegt, ist für mich gruselig.

NZ: Hat der Generationenvertrag in unserer Gesellschaft noch Bestand?

Bischof: Der Generationenvertrag ist ein Vertrag zwischen den Generationen, auf dem auch unser solidarisches Sozialversicherungssystem fußt. Vor einigen Jahren hat in diesem ein Umbruch stattgefunden. Man setzt immer mehr auf private Vorsorge. Doch wer kann sich das leisten? Ich hoffe, dass die Solidargemeinschaft in der Gesellschaft wieder stärker betont wird. Denn jeder will seine Angehörigen gut versorgt wissen. Dies geht in unserem jetzigen System aber nicht ohne Beitragssatzerhöhungen. Eine andere Möglichkeit wäre die Neuausrichtung etwa der sozialen Pflegeversicherung. Momentan bekommt jeder den gleichen Pflegebetrag, egal, wo er lebt, wie hoch der individuelle Bedarf ist oder wie der Mensch versorgt wird. Was uns dabei fehlt, ist eine starke kommunale Steuerung. Die Kommunen, in denen die Pflegebedürftigen leben, sollten nicht nur mehr Verantwortung, sondern auch Mittel dafür erhalten.

NZ: Was sind für Sie die größten Veränderungen im Generationenvertrag?

Bischof: Im familiären Umfeld löst sich der Generationenvertrag bereits auf. Wir haben immer weniger Großfamilien, und die Kinder können sich teilweise nicht um ihre Eltern kümmern. Es gibt auch eine Entsolidarisierung im Sozialsystem mit der Forderung nach mehr privater Vorsorge. Wir können uns aber nicht zurückziehen und sagen: jetzt muss jeder selbst vorsorgen. Wir brauchen gesellschaftliche und ethische Entscheidungen: Wie gehen wir mit dem Generationenvertrag um? Es geht dabei nicht nur um die ältere Generation, sondern auch um Jüngere, wenn es etwa um die Kinderbetreuung geht.

NZ: Sie haben von der Ausbildung, die sich im kommenden Jahr verändert, gesprochen. Was ändert sich und was halten Sie davon?

Bischof: Ab nächstem Jahr wird es in der Pflegefachausbildung nur eine Ausbildungsart geben. Wir sprechen von einer generalistischen Pflegeausbildung. Sie qualifiziert die Absolventen für alle Bereiche in der Pflege, ob etwa im Krankenhaus oder Pflegeheim. Die Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, wie der Berufstitel dann lautet, bekommen automatisch die EU-weite Anerkennung ihres Abschlusses. Außerdem finde ich es gut, dass man zu einem einheitlichen Berufstitel kommt. Es ist eine gute Basis für alle Bereiche, um einen Beruf lebenslang ausüben zu können.

Fragen: Dong Dong Chen, DavidMeyer

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