- Evang. Funkagentur- Nürnberger Zeitung
In der Kläranlage ist zu sehen, was vom Konsum übrig bleibt

18. August 2018

hagBurkard Hagspiel ist Technischer Werkleiter der Nürnberger „Stadtentwässerung und Umweltanalytik“, kurz SUN. Der 55-Jährige und sein Team reinigen das Abwasser und sorgen für gute Wasserqualität in der Stadt und ihren Flüssen.

Wir sammeln das Abwasser der gesamten Stadt und trennen es in seine Bestandteile auf. Das ist ein biologischer, mechanischer und chemischer Vorgang in verschiedenen Stufen. Unsere Hauptaufgabe ist es, dass das Wasser am Ende wieder sauber ist. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt davon ab, wie stark das Abwasser verdünnt oder verschmutzt ist.


Wir wissen inzwischen, dass es problematisch ist, wenn Menschen Medikamente in der Toilette entsorgen. Gefährliche Stoffe wie etwa Hormone reichern sich mit der Zeit im natürlichen Wasserkreislauf an und belasten Tiere und die Umwelt. Wir wollen erst gar nicht, dass solche Stoffe in die Natur gelangen, denn dort bringen sie einiges durcheinander. Hormone entfalten schon in ganz kleinen Mengen eine große Wirkung und damit umzugehen ist sehr schwierig. Es gibt Millionen solcher Stoffe, die man nicht
alle einzeln aufzählen kann. Von daher gibt es seit ungefähr zehn Jahren sehr viele Forschungsprojekte zu diesem Problem.

Die Methoden, die uns heute zur Verfügung stehen, sind sehr feine Filter, in denen sogar kleine Moleküle hängen bleiben. Das funktioniert sehr gut, aber man bräuchte noch größere Filter, um die Mengen zu bewältigen. In Nürnberg haben wir 70000 Kubikmeter Abwasser am Tag. Man braucht auch sehr viel Druck, deshalb sind solche Filter bisher noch nicht im großen Stil im Einsatz. Zurzeit gibt es nur Testprojekte. Bisher hat sich etwa Ozon als wirksam erwiesen. Das Gas bläst man ins Abwasser und es zerlegt die gefährlichen Stoffe. Der Nachteil dieser Methode ist, dass sie sehr energieaufwendig ist und es werden neue, unbekannte Stoffe erzeugt. Außerdem ist die Anlage sehr teuer, sie kostet mehrere Millionen Euro plus Betriebskosten.

Ein weiteres, bekanntes Problem sind Hygienetücher. Ihr Material
ist sehr zäh, hat lange Fasern und ist heute auch mit Kunststoff verstärkt. Sie verstopfen dann einfach die Pumpen. Sie glauben nicht, was noch alles im Abwasser vorkommt wie Hunderte Tonnen Katzenstreu. Wenn jetzt mal ein Handy geschwommen kommt, dann können wir es zurückgeben, aber meistens funktioniert es nicht mehr. Schmuck ist eher selten. Die meisten Leute schütten flüssige oder sogar gefährliche Stoffe in die Toilette.

Die Kläranlagen von Nürnberg sind mehr als 100 Jahre alt. Seitdem hat sich die Technik stark geändert. Die Klärwerke haben sich immer weiter professionalisiert, weil wir viel mehr reinigen müssen, und die Anlagen sind immer sicherer geworden. Wir haben wesentlich höhere Auflagen, wir müssen besser überwachen und wir kümmern uns heute um Stoffe, an die man früher gar nicht gedacht hat, wie Süßstoffe, Hormone, Tabletten
und Impfstoffe.

Würde man dieses Wasser trinken, würde man nicht gleich sterben, aber man könnte Durchfall bekommen. Das Klärwerk sorgt dafür, dass letztlich wieder sauberes Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Das Nürnberger Trinkwasser hat die höchste Qualitätsstufe, die wir überhaupt vorweisen können.
Protokoll: Chrisanthi Karanikou und Anurag Krishan

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