- Magazin für GelsenkirchenFankultur
Entscheidend ist auch neben dem Platz

15. Februar 2017


WeijersHerr Weijers, wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

Ich mache schon jahrelang ehrenamtlich soziale Arbeit, denn als Jugendlicher war ich oft im Jugendzentrum, und über diese Schiene habe ich mich dann für diesen Beruf interessiert. Aus der Überzeugung, Menschen helfen zu wollen, habe ich dann soziale Arbeit studiert und bin jetzt Sozialarbeiter.

Sind sie zum Schalker Fanprojekt gegangen, weil sie Fan des FC Schalke 04 sind?

(lacht) Auf jeden Fall war das auch ein Grund, weil ich meinen Verein mit Leidenschaft unterstütze. Aber ich fand natürlich auch das Berufsfeld ziemlich herausragend, denn die Sozialarbeit bei einem Fußballverein ist was ganz Besonderes, da es insgesamt in ganz Deutschland nur ungefähr 200 Stellen für diesen Beruf gibt. Das hat mich einfach motiviert und gereizt, so einen spannenden Job zu machen.

Es ist doch bestimmt nicht schlecht, für den Lieblingsverein zu arbeiten, oder?

Das hat zwei Seiten, denn ich verbinde mein Hobby und meine Freunde mit dem Beruflichen, das ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Wenn ich auf der Arbeit bin, also im Stadion, treffe ich meinen besten Freund genauso wie Jugendliche aus dem Jugendzentrum, die Hilfe brauchen, das heißt, ich wechsele ganz oft zwischen zwei Rollen: Der Martin, der Freund und Schalke Fan ist, und der Martin, der Sozialarbeiter ist. Viele sagen mir, dass sie mich beneiden, da ich durch meinen Job durch ganz Europa komme und den FC Schalke 04 begleiten kann. Aber andererseits muss ich natürlich arbeiten, während meine Freunde das Spiel gucken.

Hatten sie schon einmal einen Fall, von dem sie von Anfang an wussten, dass sie ihn nicht lösen können?

Ja, es gab Jugendliche, bei denen ich wusste, dass meine Grenze erreicht ist, denn ich bin Sozialarbeiter, und manche brauchen Hilfe von einem Psychologen oder Therapeuten, wenn es sinnvoll ist. Ich vermittele dann in der Regel zu einem Experten.

Wenn Sie nicht arbeiten müssen, gehen Sie dann oft ins Stadion?

Ich gehe dann ab und zu ins Stadion, also zu den wichtigen Spielen. Denn ich bin auch froh, wenn ich an Wochenenden frei habe und mir etwas vornehmen kann.

Treffen Sie im Stadion viele Menschen aus dem Schalker Fanprojekt?

Eigentlich treffe ich im Stadion fast alle.

Wie lange machen Sie ihren Beruf denn schon?

Ich habe dort zuvor für ein halbes Jahr ein Praktikum gemacht und bin jetzt seit zwei Jahren fest angestellt.

Fußball wird oft mit Gewalt in Zusammenhang gebracht, vor allem die Ultras. Wie schätzen Sie das ein?

Eine Kurve ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn dort 25.000 Leute stehen, dann gibt es dort Menschen, die bedürftig sind, und andererseits auch Juristen oder Steuerberater. Natürlich gibt es auch Ultras, die in der Öffentlichkeit für Unruhe sorgen und gewalttätig sind, aber es gibt auch Ultras, die zur Stimmung des Spieles beitragen, Lieder komponieren und singen und sich sozial engagieren. Ich bin da immer sehr vorsichtig mit pauschalen Aussagen.

Sie arbeiten ja auch als Pädagoge. Was sind die typischen Probleme bei Jugendlichen?

Ein typisches Problem ist Ärger mit der Polizei. Dann muss man den Jugendlichen einen Anwalt vermitteln und ihnen den weiteren Vorgang erklären. Die Hilfe bei Bewerbungen für Praktika und Stellen ist ein Klassiker. Auch wird vielen bei der Suche nach einer Wohnung geholfen. Und es wird Leuten geholfen, die nach der Schule keine Perspektive haben, also nicht wissen, was sie werden wollen.

Was ist ein besonders gutes Beispiel für eine erfolgreiche Arbeit?

Es fällt mir schwer, da ins Detail zu gehen, weil ich natürlich den Datenschutz meiner Klienten bewahren möchte. Aber ein Beispiel ist, wenn man eine gute Beziehung zu den Leuten hat und sie sich einem anvertrauen.

Dieser Beitrag wurde unter + pressespiegel, - Magazin für Gelsenkirchen, Fankultur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.