- Evang. Funkagentur- Nürnberger Zeitung
Ein Tag des Verzichts

18. September 2018

liberovaDiana Liberova sitzt für die SPD im Nürnberger Stadtrat und bietet Schulungen zur interkulturellen Bildung an Schulen an. Sie ist praktizierende Jüdin und feiert den Sabbat, an dem der Konsum sehr eingeschränkt wird. Bei meinem Beruf ist es manchmal schwierig, den Sabbat einzuhalten, weil ich Lehrer fortbilde und Schulleiter das gerne am Samstag anbieten.

Auch als Politikerin ist es nicht leicht, wenn am Freitagabend Treffen oder Besprechungen stattfinden. Der Sabbat ist schon seit 5000 Jahren ein hoher Feiertag im Judentum und findet jede Woche von Freitagabend bis Samstagabend statt. Man verzichtet in dieser Zeit darauf, arbeiten zu gehen, elektronische Geräte zu benutzen, sowie auf den Einkauf. Auch Geldgeschäfte sind in dieser Zeit verboten.


Ich schaffe es nur zwei bis drei Mal im Jahr, den Sabbat zu halten. Aber ich finde die Erfahrung positiv und sehr schön, weil es einem Zeit schenkt und Ruhe in die Familie bringt. Auch um über sich selbst und die vergangene Woche nachzudenken. Manchmal hat man Stress bei den Vorbereitungen, aber der Sabbat selbst ist dafür da, nichts zu machen und zu entspannen.

Gerade der Umstand, dass ich dann nicht ans Telefon gehe, irritiert viele Menschen. Alles andere ist kein Problem, man kann ja vorbeikommen und miteinander essen. Ab und zu gibt es komische Situationen: Wir waren einmal zu Sabbat zum Mittagessen eingeladen. Die Familie hat ein Paket bekommen, aber an diesem Tag darf man auch keine Unterschriften geben. Wir waren in einem riesigen Dilemma, ob ich jetzt die Tür aufmachen soll und dem Postboten erklären, dass ich für das Paket nicht unterschreiben kann, denn das wäre ein Regelbruch.

Der Sabbat ist ein Teil meiner Religion und auch ein Teil meines Selbstverständnisses, wenn ich ihn feiere. Eine Ausnahme wäre, wenn meine Eltern mich im Notfall nicht erreichen können, weil irgendetwas passiert ist.
Protokoll: Mervin Elcin und Mikail Gündogdu

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