- Nürnberger ZeitungRegenerative Energiequellen
Windräder vor Augen oder ein Atomkraftwerk vor der Haustür?

13. Januar 2016

n-ergieIn der Arbeit kann sich Carsten Eckardt nicht auf Routine verlassen. Er muss offen sein für Entwicklungen in der Energiebranche und daraus neue Geschäftsfelder für die N-Ergie erschaffen. Sein Auftrag: Innovation und Wirtschaftlichkeit im Gleichgewicht halten. Rund 28 Prozent des Stromes der N-Ergie stammen aus erneuerbaren Energiequellen. „Energiewende bedeutet für uns sehr viel. Das klassische Geschäft, etwa durch fossile Kraftwerke, geht zurück und wir müssen uns als Unternehmen mit neuen Ideen ositionieren“, sagt der Betriebswirt.

In welche Richtung es bei den Energieversorgern gehen soll, erläutert der 42-Jährige so: „Weg von der klassischen Erzeugung über Großkraftwerke, hin zu sehr vielen kleinen dezentralen Kraftwerken.“ Einen vollständigen Plan, wie die Energiewende ablaufen soll, gibt es noch nicht.


„Aber unser Unternehmen ist auf einem guten Weg“, betont er. Fest steht für ihn: „Energiewende zum Nulltarif gibt es nicht. Ich muss zuerst investieren, zuerst gibt es hohe Kosten.“ Jeder ist von der Energiewende betroffen und sei es durch den Anblick von Photovoltaikanlagen und Windrädern, der nicht jeden freut. Immer wieder protestieren Bürger, wenn neue Energieanlagen gebaut werden sollen. Eckardt dazu: „Hier muss sich jeder entscheiden: Habe ich lieber ein Atomkraftwerk vor der Haustür, oder schaue ich, übertrieben dargestellt, auf ein paar Windräder?“

Laut Eckardt versucht die N-Ergie durch eine enge Abstimmung mit den Gemeinden möglichst wenig Eingriffe in die Natur durchzuführen. So baut man die Solaranlagen entlang der Bahnlinien und Autobahnen außerhalb von Sichtachsen der Bewohner. „Inzwischen gibt es nur noch wenig Flächen in der Region.“ Der Ausbau der Windkraft ist in Bayern ins Stocken gekommen. Grund dafür ist das neue Gesetz, das größere Abstände zu Wohngebieten vorschreibt.

„Aber hier muss man die Entwicklung abwarten. Sollte sich das Gesetz ändern, kann es wieder ganz schnell losgehen mit dem Bau von neuen Windrädern.“ Was kann man in Nürnberg zur Energiewende beitragen? „Man sollte die kleinen Lösungen vorantreiben“, sagt der Experte. Etwa Gewerbeimmobilien und städtische Gebäude mit Solarzellen für den Eigenverbrauch ausstatten. Auch Hausbesitzer können sich zusammentun und eigene Wärmeversorgungen bauen. Doch für Eckardt geht es nicht nur darum, erneuerbare Energiequellen zu schaffen, sondern die Energie auch zu sparen: „Jeder Bürger ist aufgefordert, etwas zu tun.“
Protokoll: Anna Lena Berg, Merle Just

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