- Nürnberger ZeitungRegenerative Energiequellen
Überzeugungskünste eines Elektoingenieurs

28. Januar 2016

MolnarSeit die Energiewende in Deutschland beschlossene Sache ist, hat Pal Molnar viel zu tun. Der 31-jährige Elektroingenieur plant bei der für Mittelfranken zuständigen Main-Donau Netzgesellschaft mbH neue Stromnetze und Umspannwerke. Dafür muss er manchmal sogar Feldhamster suchen und Bauern vom rechten Weg überzeugen.
NZ: Glauben Sie, dass die Energiewende gelingt?

Pal Molnar: Es wird dauern, aber ich sehe keinen Grund, warum es technisch nicht funktionieren sollte. Die Kunden wollen günstigen Strom, aber der Ausbau kostet Geld, das muss die Politik irgendwie zusammenbringen. Es gibt noch weitere Herausforderungen wie das Speichern der Energie, denn die Sonne scheint nicht immer.

NZ: Was ist Ihre Aufgabe?


Molnar: Durch die Energiewende fallen die großen Atomkraftwerke weg, dafür kommen viele kleine Windräder und Solaranlagen dazu. Deswegen plane ich neue Umschaltanlagen, das sind die Verkehrsknotenpunkte im Stromnetz. Ich suche das Grundstück aus, plane wie das Ganze aussehen soll und entscheide, welche Firmen die Schaltschränke, Trafos, Kabel und so weiter liefern.
NZ: Warum brauchen die neuen Anlagen mehr Platz?
Molnar: Die Energiedichte von Uran und Kohle ist viel größer als bei Wind oder Sonne. Um ein Kernkraftwerk zu ersetzen, braucht man rund 5000 Windkraftanlagen oder etwa 300 Quadratkilometer Solarzellen.
NZ: Auf welche Schwierigkeiten treffen Sie dabei?
Molnar: Niemand möchte von seinem Wohnzimmerfenster aus auf eine neue Stromtrasse blicken. Außerdem dürfen keine Trassen etwa durch Naturschutzgebiete führen. Es gibt fast keine weißen Flecken auf der Landkarte mehr, wo man etwas bauen darf. Auch auf geschützte Tiere muss man Rücksicht nehmen.
NZ: Mögen Sie die Energiewende?
Molnar: Ich habe früher auch Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke gebaut. Wie viele Tonnen Kohle dafür verbrannt werden ist unvorstellbar. Bei Kernkraftwerken ist die Endlagerung noch nicht gelöst. Deshalb finde ich, dass die Energiewende kein einfacher, aber der richtige Weg ist.
Fragen: Lena Keim, Lukas Wohlfarth

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