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Gute Schüler stehen öfter auf dem Siegertreppchen – NZ

22. Dezember 2016

KöberleinUwe Köberlein arbeitet seit elf Jahren an der Bertolt-Brecht-Schule und ist Sportkoordinator der Eliteschule des Sports in Nürnberg. In dieser Funktion hat er nicht nur die sportlichen sondern auch die schulischen Leistungen seiner Schützlinge im Blick.

Im NZ Interview erzählt er, wie sich beides gut verbinden lässt.

NZ: Herr Körberlein, welche Aufgaben haben Sie an Ihrer Schule?

Uwe Köberlein: Als Sportkoordinator ist es meine Aufgabe, den Einklang zwischen Sport und Schule herzustellen. Die Leistungssportler sollen ihren Sport betreiben können, aber trotzdem einen guten Schulabschluss bekommen.

NZ: Wie bekommen die Leistungssportler das alles auf die Reihe?

Köberlein: Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, die Schulzeit in der Oberstufe des Gymnasiums auf drei Jahre zu strecken. So haben sie mehr Zeit zum Trainieren.

NZ: Welche Unterstützungsmöglichkeiten hat die Schule noch?

Köberlein: Einige. Sportler, die eine Zeit lang auf Wettkämpfen oder in Trainingslagern waren, können den Unterricht mit den Lehrkräften nachholen. Unter anderem gibt es auch individuelle Nachhilfe.

NZ: Welche Rolle spielen die Eltern bei den jungen Leistungssportlern?

Köberlein: Eine ganz wichtige. Die Eltern müssen wissen, worauf sie sich und ihre Kinder
einlassen. Aber das ist auch die Aufgabe der Schule und des jeweiligen Sportverbands, sie darüber zu informieren. Denn hier geht es nicht um Spiel, Spaß und Bewegung. Hier geht es darum, Schule und sportliche Leistung auf einem hohen Niveau hinzubekommen. Diesem Ziel müssen sich auch die Eltern verpflichten und ihre Kinder unterstützen.

NZ: Es gibt das Vorurteil, dass manche Sportler nicht gerade schlau sind. Was sagen Sie dazu?

Köberlein: Bei allen Sportarten machen wir folgende Erfahrung: Wenn Sportler gut in der Schule und strukturiert sind, dann ist auch der sportliche Erfolg da. Zum Beispiel bei Ilkay Gündogan, der früher beim FCN gespielt hat und unser Schüler war, hat man das deutlich gesehen.

NZ: Haben Ihre Sportler eine spezielle Ernährung?

Köberlein: In der Regel ja. In der Schulmensa wie auch im Internat bei uns wird in Abstimmung mit dem Ernährungsberater geschaut, was die Jungs und Mädels an Nahrung zu sich nehmen. Es hängt auch von der Sportart ab. Die Ausdauersportler, etwa die Radsportler, brauchen zum Beispiel viele Kohlenhydrate.

NZ: Wo ist die Grenze zwischen dem normalen und Leistungssport?

Köberlein: Es hängt immer von der Sportart und von den persönlichen Faktoren der Jugendlichen ab. Aber in der Regel trainieren sie dreimal in der Woche vormittags bei uns und mindestens vier- bis fünfmal nachmittags in ihrem Verein.

NZ: Arbeitet Ihre Schule mit Psychologen zusammen?

Köberlein: Wir haben einen Schulpsychologen. Aber er trainiert die Schüler nicht mental. Auch Leistungssportler sind bei uns in erster Linie einfach Schüler. Kein Berater von Fußballern und keine Presse kommen uns ins Haus, wenn es nicht gewollt ist. So war es auch im Fall von Ilkay Gündogan. Als er bekannt wurde, waren da auf einmal irgendwelche Leute bei uns in der Schule, die ihn besuchen wollten. Aber die Schule bleibt ein geschützter Raum. Von den Leistungssportlern wird eine gewisse Vorbildfunktion verlangt: Du wirst hier gefördert und bekommst Unterstützung, dafür erwartet die Schule, dass du dich dementsprechend verhältst.

Fragen: Baes Afghan,
Merjem Bakovic

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