- Nürnberger ZeitungMenschenrechtsarbeit
Gleich ist gleich, und ungleich ist ungleich

20. April 2017

Detlef-JanetzekDetlev Janetzek ist der Beauftragte der Stadt Nürnberg für Diskriminierungsfragen. Wenn sich jemand benachteiligt fühlt, überlegt er sich Strategien, wie er ihm helfen kann. Das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg hat eine ganze Reihe von Aufgaben. Es informiert unter anderem über die Menschenrechte und verleiht jedes zweite Jahr den Menschenrechtspreis an Personen, die sich auch unter persönlichen Risiken für andere einsetzen.
Die Öffentlichkeit schützt sie. In Deutschland besagt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, dass Personen nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Herkunft diskriminiert werden dürfen. Wenn das nicht eingehalten wird, können sie sich an die Beratungsstelle wenden.


Hier arbeiten 28 Mediatoren, die 24 verschiedene Sprachen sprechen. In Zweierteams versuchen sie zusammen mit den Konfliktparteien, eine friedliche Lösung zu finden. Das Menschenrechtsbüro gibt es seit etwa 20 Jahren. Ich arbeite seit 2011 als Diskriminierungsbeauftragter dort und bei mir ist auch die Koordinierungsstelle für Gemeinwesen-Mediation Nürnberg angesiedelt.
Deutschlandweit gibt es nur ein paar Stellen, die ähnlich organisiert sind – als Anlaufstelle für jede Form von Diskriminierung. So erkennen wir Mehrfachdiskriminierung besser, können klären, was passiert ist und welche Rechtsbereiche das betrifft. Benachteiligung ist nicht immer Diskriminierung. Wenn Menschen ungleich behandelt werden, kann das auch gerechtfertigt sein, zum Beispiel wegen beruflicher Anforderungen. Im Grundgesetz steht, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln ist. Ich bearbeite jährlich etwa 180 Fälle, die Zahl bleibt seit Jahren gleich, aber der Inhalt ändert sich. Es fällt auf, dass beleidigende Sprache heute scheinbar nicht mehr so verpönt ist wie vor einigen Jahren. Das liegt auch am Vorbildverhalten der Politiker. Deren Umgangston kann sich dann auf die Bevölkerung übertragen.

Giacomo Vulcano, Maxim Rüttinger

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