- Nürnberger ZeitungMenschenrechtsarbeit
Ein offenes Ohr für die jungen Bürger

2. Mai 2017

JugendparlamentKinder bedürfen eines besonderen Schutzes. Die Kinderkommission der Stadt Nürnberg kümmert sich darum, dass die Rechte der Kinder hier berücksichtigt und nicht verletzt werden. Die NZ sprach mit der Geschäftsführerin der Kinderkommission Cornelia Scharf darüber, wie es in der Praxis funktioniert. Außerdem erläuterte die 54-Jährige, welche Möglichkeiten Kinder und Jugendliche in der Stadt haben, auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

NZ: Wie viele Kinder gibt es in Nürnberg?

Cornelia Scharf: Bis 14 Jahren sind es 66000.

NZ: Was ist die Kinderkommission?

Scharf: Das ist ein Gremium, in welchem Politiker, Vertreter der Wohlfahrtsverbände,, des Gesundheit- und des Jugendamts sitzen. Auch Ehrenamtliche aus Elternverbänden und dem gesamten Elternbeirat sitzen dort. Die Kinderkommission ist ein Unterausschuss des Jugendhilfeausschusses in Nürnberg. Ihre Aufgabe ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Kinderrechte hier in der Stadt bekannter gemacht werden können.

NZ: Warum hat Nürnberg eine Kinderkommission?

Scharf: Die UN-Kinderrechtskonvention entstand im Jahr 1989. Darin sind die Rechte aller Kinder verfasst. Danach kam auch die Frage auf, ob jede Stadt in der Bundesrepublik eine Kinderbeauftragte braucht, die sich parteilich für die Rechte der Kinder einsetzt. In Nürnberg kam man zu dem Entschluss, dass es sinnvoller ist, wenn mehrere Personen beauftragt werden, auf die Rechte der Kinder zu achten. Außerdem ist jeder Bürger verpflichtet, die Rechte aller Kinder und Jugendlichen zu wahren. Zum Beispiel, wenn man sieht, dass ein Kind auf der Straße von seinen Eltern geschlagen wird, sollte man das Kind unterstützen.

NZ: Welche Rechte haben die Kinder?

Scharf: Insgesamt stehen in der Konvention 54 Kinderrechte. Oft werden die wichtigsten zehn zusammengefasst. Ein wichtiger Punkt etwa ist die Gleichberechtigung aller Kinder, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, mit oder ohne Behinderung. Außerdem haben alle Kinder ein Recht auf Privatsphäre, das Recht auf Bildung, Freizeit, Erholung, Spiel, Schutz, und auf die Fürsorge der Eltern.

NZ: Bis zu welchem Alter sind Kinder mit diesen Rechten geschützt?

Scharf: Bis sie volljährig sind. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen machen wir aber einen Unterschied in den Angeboten. Wir laden Kinder von 6 bis 14 Jahren vor den Nürnberger Bürgerversammlungen zu sogenannten Kinderversammlungen ein. Dort können sie sagen, was sie in der Stadt stört. Bei diesen Kinderversammlungen sind entsprechende Fachleute anwesend, die den Kindern Antworten geben und Anregungen mitnehmen. Für Jugendliche ab 14 gibt es auch Versammlungen in den Stadtteilen. Sie laufen unter dem Namen „laut!“.

NZ: Mit welchen Themen kommen die Kinder?

Scharf: Es hängt vom Stadtteil ab, in dem die Kinderversammlung stattfindet. Oft geht es um Müll, fehlende Ampeln oder Zebrastreifen, aber auch um das Verhalten von erwachsenen Personen, die zum Beispiel Alkohol auf Spielplätzen trinken und dann auch die Spielplätze verschmutzen. Kinder erzählen auch, wenn an einem bestimmten Spielplatz etwas kaputt ist. Dann geht der Servicebetrieb öffentlicher Raum sofort los und repariert es. Wenn ein neuer Spielplatz entstehen soll, äußern Kinder ihre Vorstellungen.

NZ: Wie ernst werden die Anregungen der Kinder von der Stadt wahrgenommen?

Scharf: Die Antworten übermittelt den Kindern ein sogenannter Pate. Das sind ehrenamtliche Menschen, die die Kinderversammlung begleiten. Außerdem gibt die Kinderkommission alle drei Jahre einen Bericht heraus. Dort kann man nachlesen, was die Kinder beantragt haben und wie die Stadt darauf reagiert hat. Bei unserem letzten Bericht von 2011 bis 2014 war es tatsächlich so, dass von den etwa 183 Anträgen mehr als 50 Prozent so erledigt worden, sind wie die Kinder es sich gewünscht haben.

Fragen: Andi Michele, Dominika Najdowska

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