Archiv der Kategorie: Fankultur

Der Hauptkoordinationspartner dieser Projektwoche in Gelsenkirchen ist das Schalker Fanprojekt.

Fankultur
Schwerpunkt Fankkultur

issoIst Fankultur mehr als der Ausdruck eines schönen Hobbys? Was kann man von begeisterungsfähigen Fans lernen?  Sie leben Solidarität, abhängig  oder unabhängig vom momentanen Erfolg des Idols, Clubs. Man stelle sich vor, Fans würden ihre Fankompetenz einem Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung stellen. Oder einem Ehepaar in der Krise? Wären ihre Ratschläge erfolgsversprechend, oder bestenfalls schöner Unfug? Was können wir von Fans und ihrer Haltung lernen? Und was raten Fans von sich nicht abzukupfern?

 

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Fankultur
Blau und Weiß – Ein Leben lang

gelsen2Trotz einiger Kritik lieben Schalke-Fans ihren Verein
Von Selin Taskin und Merle Sender

Kim Burmeister und Torsten Wieland sind beide Fans von Schalke 04. Torsten Wieland betreibt den Königsblog im Internet, in dem er aktuelle Themen und Ereignisse von Schalke kommentiert. Die 19-Jährige Schülerin Kim ist ein sehr großer Fan und arbeitet sogar an jedem zweiten Wochenende in der Veltins Arena in einem Kiosk. Beide schauen sich gerne die Heimspiele an, und auch wenn Schalke eine schlechte Zeit haben sollte, würden sie immer hinter dem Verein stehen. Kim hat am Verein und auch generell am heutigen Fußball einiges zu kritisieren. Sie kann sich allerdings nicht vorstellen, kein Schalke-Fan mehr zu sein. Anders als Torsten Wieland. Er hat schon oft überlegt, mit seinem Blog eine Pause einzulegen, aber dann war er doch ein zu großer Fan und hat mit seinem Königsblog weitergemacht.

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Fankultur
Entscheidend ist auch neben dem Platz


WeijersHerr Weijers, wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

Ich mache schon jahrelang ehrenamtlich soziale Arbeit, denn als Jugendlicher war ich oft im Jugendzentrum, und über diese Schiene habe ich mich dann für diesen Beruf interessiert. Aus der Überzeugung, Menschen helfen zu wollen, habe ich dann soziale Arbeit studiert und bin jetzt Sozialarbeiter.

Sind sie zum Schalker Fanprojekt gegangen, weil sie Fan des FC Schalke 04 sind?

(lacht) Auf jeden Fall war das auch ein Grund, weil ich meinen Verein mit Leidenschaft unterstütze. Aber ich fand natürlich auch das Berufsfeld ziemlich herausragend, denn die Sozialarbeit bei einem Fußballverein ist was ganz Besonderes, da es insgesamt in ganz Deutschland nur ungefähr 200 Stellen für diesen Beruf gibt. Das hat mich einfach motiviert und gereizt, so einen spannenden Job zu machen.

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Fankultur
Es beginnt immer bei Null

buchIn dem Buch „Im Land der tausend Derbys“ von Hartmut Hering geht es um die Geschichte des Fußballs im Ruhrgebiet. Den Auftrag, das Buch zu schreiben, bekam er durch Zufall. Eigentlich hatte sein Freund eine Anfrage von der Stadt bekommen, ein Buch über die Geschichte des Fußballs im Ruhrgebiet zu schreiben, aber er hatte keine Zeit dazu. Im Anschluss daran bat er Hartmut Hering das Buch zu schreiben, da er sich gut mit Fußball auskennt. Er machte sich sofort an die Arbeit, und schließlich erschien das Buch im November 2002 auf dem Markt. Mittlerweile gibt es bereits eine Neuauflage. Es erzählt die Geschichte von Bergarbeitern, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaum Zeit hatten und zur Abwechslung in ihrer Freizeit Fußball spielten. Für die Menschen damals gab es nichts außer ihrer Arbeit. Manche von ihnen sahen die Sonne für mehrere Tage nicht. Der Fußball war eine Art Ausgleich zu ihrem anstrengenden Alltag. Hartmut Hering vermutet, dass deswegen die Menschen im Ruhrgebiet heute noch eine so starke Bindung zum Fußball haben. Die Menschen von früher hatten kaum eine andere Wahl, als auf die Zeche zu gehen und nach Kohle zu graben. Im Fußball ist es komplett anders. Im Fußball beginnt ein Spiel immer bei Null, und jeder hat von Anfang an die selbe Chance, zu gewinnen. Daher war es passend, dass die Weltmeisterschaft im Fußball 2006 in Deutschland und zwar größtenteils im Ruhrgebiet stattfand.

Hartmut Hering war Mitglied des Kuratoriums der Ausstellung „Fußballregion Ruhrgebiet“, Mitherausgeber stadtgeschichtlicher Bücher und ist Kreissprecher der Partei „Die Linke“ in Gelsenkirchen.

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Fankultur
Kommentar – ISSO

Heute werden die Spieler dafür bezahlt, um Fußball zu spielen. Früher war das anders – die Spieler spielten, weil sie Spaß daran hatten, und nicht des Geldes wegen. Der Fußball wird nur noch durch Werbung und Sendezeiten finanziert. Hartmut Hering vertritt die Meinung, dass dies nicht gut für die Fankultur ist.

Es gibt Leute, die sich vorstellen können, auch noch die Fans von den Vereinen bezahlen zu lassen, damit sie ins Stadion gehen. Sie sollen eine Mannschaft auch zu unmöglichen Anstoßzeiten anfeuern, um selbst bei Fernsehübertragungen nach China volle Stadien zu haben. Wir fänden das nicht gut. Wenn man dann im Stadion sitzt, seine Mannschaft anfeuert und genau weiß, dass die Person daneben nur jubelt, weil sie dafür Geld bekommt, dann hat das nichts mehr mit Fankultur zu tun. Man geht ins Stadion, weil man die Mannschaft toll findet, und nicht, weil man Geld verdienen will.

Davon hätten nur das Fernsehen und die Vereine etwas, die eine Menge Geld verdienen würden. Warum sollte man ein Fan von etwas sein, dass komplett künstlich ist? Wenn die Zuschauer nur jubeln, weil sie dafür bezahlt werden, und wenn die Spieler nur noch spielen, weil sie dafür Geld bekommen, dann macht das Zuschauen keinen Sinn mehr.

Spätestens wenn den wahren Fans bewusst wird, dass alles nur Show ist, würde der Fußball an Bedeutung verlieren und letztendlich aussterben.

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