- Schwäbische ZeitungWohnen und Bauen
Bewohner sollten mehr aufeinander zugehen

26. August 2016

sz-wangen-bührerGenossenschaftsgedanke geht laut Christoph Bührer verloren – Holzbauweise ist für die Bregenzer Straße geplant .

WANGEN – In überhitzten Immobilienmärkten sind bezahlbare Wohnungen Mangelware. Christoph Bührer, kaufmännischer Geschäftsführer der Baugenossenschaft (BG) Wangen, sieht in genossenschaftlichem und sozialen Wohnungsbau eine Chance, den Immobilienmarkt zu beruhigen. Erstmals erhält die Stadt Wangen dieses Jahr Fördergelder für den sozialen Wohnungsbau. Diese Förderung fließt in ein ganz konkretes Projekt, und zwar das geplante Mehrparteienwohnhaus in der Bregenzer Strasse, für das nun das Baugesuch eingereicht wurde. 15 Wohnungen sollen dort entstehen (die SZ berichtete).

Sozialer Wohnbau wird gefördert
Dass der Bauherr, in diesem Fall die BG, viele Vorgaben zu erfüllen hat, sieht Bührer als Herausforderung. „In der Bregenzer Straße greifen wir erstmals auf Holzbauweise zurück, eine Bauart, die bisher vor allem bei Einfamilienhäusern oder Doppelhäusern zum Zuge kommt.“ Die Vorteile der Holzbauweise seien eine kurze Bauzeit, da die Module in der Fabrik gefertigt werden, um vor Ort nur noch montiert zu werden.


Durch den Bau mit nachwachsenden, regionalen Rohstoffen würde auch der ökologische Aspekt bedacht. Aber es gebe durchaus Skeptiker, die an der Holzbauweise bei mehrgeschossigem Hausbau zweifeln. Bührer: „Da geht es um die Themen Standfestigkeit, Schall- und Wärmeschutz. Die bisherigen Erfahrungen diesbezüglich fallen jedoch positiv aus.“ Außerdem dürfe man sich nicht durch die Aufgaben, die heutzutage an die Bauwirtschaft gestellt werden, einschüchtern lassen.

Appell: mehr miteinander reden
Welche Aufgaben die Baugenossenschaft meistern muss und möchte, sehe der BG-Bewohner, der ja auch immer Mitglied der Genossenschaft ist, oft nicht. Der Genossenschaftsgedanke sei etwas verloren gegangen. Bührer: „Das Wohnen in einem genossenschaftlichen Mehrparteienhaus hat sich im Lauf der Jahrzehnte geändert.“ Früher habe man die Nachbarn noch gekannt, das Thema Nachbarschaftshilfe sei wichtig gewesen. Heute würden mehr Bewohner anrufen als früher, um sich über Nachbarn zu beschweren, so Bührer. Oder man schreibe lieber eine E-Mail an die Genossenschaft, um dort den Frust über nicht gemachte Kehrwochen abzulassen. Bührer: „Da wünsche ich mir schon, dass die Mitglieder wieder mehr den direkten Dialog mit ihren Nachbarn suchen.“

Von Eva-Marie Reutemann und Jule Schneider

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